
Shoah Mahnmal, Herne, NRW
- Standort: Willi-Pohlmann-Platz, Herne
- Fertigstellung / Einweihung: 2010
- Materialien: Glas, Beton, Basaltstein
- Größe: l 6,5 m x b 3,25 m x h 3,5 m
Die Betonplatte stellt sich sperrig in den Weg. Ein aufrechter, massiger Widerstand im Sichtkorridor zwischen Häusern und Menschen. Der helle Beton ist nicht plan, er weist unregelmäßige Narben und Schlieren auf. Es ist nichts heil, schon gar nicht in der Geschichte. Am Kopf der Platte ist ein goldener Davidstern eingelassen.
Auf der Gedenktafel befinden sich 410 Okulare. Sie wurden per Hand in einer Glasmanufaktur in Böhmen geformt. Bei 1.400 Grad verflüssigte sich das Glas und mündete in seiner endgültigen Form. Verändert der Betrachter seine Position vor dem Denkmal, entsteht durch die Glaselemente auf der Platte eine Bewegung aus Licht und Schatten.
Unsere Erinnerung ist nicht statisch, sie ist ein ständig wechselnder Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In den Okularen befinden sich Glasronden mit Namen, Daten und Orten. Aus der Entfernung scheinen nur die verlorenen Buchstabenreihen der gesetzten Schrift durch das Glas. Um zu erkennen, muss man näher treten, die einzelnen Inschriften in Augenschein nehmen. Der Mensch rückt in den Mittelpunkt.
Die fünf Meter lange und leicht geneigte Rampe ist aus schwarzem Beton. Sie führt auf die Gedenktafel zu. Man muss sie beschreiten, um zu dem Okularfeld zu kommen. Es ist der beschwerliche Weg der Geschichte. Es stellt sich oft ein Gefühl der Fassungslosigkeit ein, wenn man anfängt, sich mit der Shoah zu beschäftigen. Diesen verstörenden Moment gilt es, zu erhalten, nicht zu glätten oder in Rituale des Gedenkens zu kanalisieren.
(Auszug aus: Eine Dokumentation von Ralf Piorr im Auftrag der Stadt Herne)

Der Anschlag
Shoah-Mahnmal in Herne – Ein Ort des Gedenkens und des Schutzes
Das Shoah-Mahnmal in Herne wurde im Januar 2010 eingeweiht, um an die rund 400 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Herne und Wanne-Eickel zu erinnern. Die Gedenkstätte besteht aus einer aufrecht stehenden Tafel mit 401 Glasokularen, die die Namen, Geburts- und Todesdaten der Opfer tragen. Sie ist ein zentraler Ort des Gedenkens, der die Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit wachhält.
Leider war das Mahnmal in der Vergangenheit wiederholt Ziel von Vandalismus. Farbschmierereien und Beschädigungen an den Glasokularen machten deutlich, wie wichtig ein umfassender Schutz für diesen sensiblen Ort ist. Um das Mahnmal zu bewahren, wurden 2017/18 von uns gestaltete Schutztore aus Baubronze installiert. Diese technische Lösung führte jedoch dazu, dass das Mahnmal häufig nicht zugänglich war, wodurch seine öffentliche Funktion beeinträchtigt wurde.
Im Jahr 2024 hat die Stadt Herne Maßnahmen ergriffen, um das Mahnmal dauerhaft zugänglich und zugleich sicher zu machen. Zwei Überwachungskameras wurden installiert, um Vandalismus vorzubeugen und im Ernstfall Beweismaterial zu sichern. Der Plan sieht vor, die Schutztore spätestens am 27. Januar 2025 – dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – dauerhaft zu öffnen. Darüber hinaus sind weitere bauliche Anpassungen geplant, um das Mahnmal für die Öffentlichkeit frei zugänglich zu halten.
Das Shoah-Mahnmal in Herne steht für die Würde und das Andenken der Opfer. Es mahnt uns, aus der Geschichte zu lernen und Verantwortung für eine friedliche und respektvolle Gesellschaft zu übernehmen. Mit den neuen Schutzmaßnahmen wird dieser bedeutende Ort der Erinnerung auch für künftige Generationen bewahrt.

